Vor einiger Zeit kamen die Söring Macro-Instrumente und der SONOCA 300 bei einer ganz speziellen Leberoperation im norditalienischen Triest zum Einsatz. Das Besondere daran war nicht die Ultraschall-Tumorresektion an sich, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Hemihepatektomie durch ein reines Frauenteam durchgeführt wurde. Noch immer sind nur wenige Frauen in der Chirurgie tätig. So lag der Anteil an Chirurginnen im Jahr 2019 laut Bundesärztekammer gerade einmal bei ca. 21%.1 Wir sprachen mit Dr. Paola Tarchi, Allgemeinchirurgin am Universitätsklinikum Triest, warum das Ihrer Meinung nach so ist und was ihr an ihrem Job besonders gut gefällt.

Bereits während Ihres Medizinstudiums wollten Sie Chirurgin werden. Was hat sie so an diesem Beruf fasziniert und wie gelang es Ihnen, diesen Traum zu verwirklichen?

Schon als Assistenzärztin in der Allgemeinchirurgie bekam ich mit jeder Operation mehr Aufwind, wurde immer enthusiastischer und motivierter. Ich wollte möglichst viel lernen, um meine Leistungen zu verbessern und Patienten gut versorgen zu können. Später spezialisierte ich mich auf die Chirurgische Onkologie und die Hepato-Pankreato-Biliäre-Chirurgie (HPB). Es fasziniert mich noch immer, wie präzise chirurgische Manöver sein können und ich liebe es, komplexe chirurgische Fälle zu behandeln.

Ich denke, dass Leidenschaft und Hingabe der Motor unserer Arbeit sind. Es erfordert großen Enthusiasmus, Disziplin und jede Menge Geduld. Mich hat es Jahre und viel Mühe gekostet, chirurgisch unabhängig zu werden und mit höchster Qualität arbeiten zu können. Ich denke, ein bisschen Sturheit hat mir geholfen, meine Ziele zu erreichen!

Das hört sich nach einem langen Weg an, den Sie beschreiten mussten. Tatsächlich ist nur etwa jeder fünfte Chirurg eine Frau. Was denken Sie, warum ist dieser Anteil noch immer so gering und wie könnte er erhöht werden?

Die Allgemein- und HPB-Chirurgie war schon immer eher von Männern dominiert. Die Ausbildung ist sehr lang, zeitaufwendig und nie wirklich abgeschlossen. Zudem ist es körperlich sehr anstrengend, denn Operationen können viele Stunden dauern. Und danach muss man stets für seine Patienten verfügbar sein. In manchen Fällen mussmuss man mitten in der Nacht wieder in den OP zurückkehren. Die körperlichen Herausforderungen werden irgendwann zur Gewohnheit. Ein „normales“ Familienleben ist jedoch kaum möglich.

Wir benötigen dringend bessere Betreuungsstrukturen, damit Frauen Familie und Beruf miteinander vereinen können. Italien ist hier immer noch sehr schlecht organisiert und weit von einer Work-Life-Balance weit entfernt. Nur mit wesentlichen Reformen werden wir Chancengleichheit für alle erreichen können, egal welchen Beruf man ausübt. Nordeuropa könnte hier ein leuchtendes Beispiel für uns sein.

Ich glaube, Frauen haben oft das Gefühl, zunächst beweisen zu müssen, was sie können und daher doppelt so viel arbeiten, um sich einen Namen zu machen. Sie unterstützen sich nicht immer gegenseitig, wahrscheinlich wegen der Konkurrenz. Aber diese Einstellung verbessert sich allmählich je mehr Selbstvertrauen sie in ihre Karriere und ihre Positionen haben und je mehr Chirurginnen in diesem Bereich tätig sind.

Ich persönlich hatte Glück, nicht allzu viele Hürden auf meinem Weg zu finden. Mein Chef in Triest hat mich immer unterstützt und mir geholfen, eine starke Karriere aufzubauen. Er hat viele Chirurginnen eingestellt und uns die Möglichkeit gegeben, uns frei ohne Vorurteile zu entfalten. Eine solche Chance sollte es öfter geben.

Das klingt ganz so, als hätten Sie Ihren Traumjob gefunden. Was ist für Sie besonders wichtig an Ihrem Job und was würden Sie anderen Chirurginnen raten?

In unserem Beruf ist es essentiell im Team zu arbeiten – ganz egal, welches Alter, Geschlecht oder welche Herkunft wir haben. Wir alle wollen Patienten die beste chirurgische Versorgung bieten und darauf müssen wir uns konzentrieren. Wenn wir uns gegenseitig unterstützen und respektvoll zusammenarbeiten, können wir viel bessere Ergebnisse erzielen – auch weil eine gute Atmosphäre den Zusammenhalt stärkt. Ich bin überzeugt, dass ein gutes Team schwierige Momente und Komplikationen besser bewältigen kann. Zudem lassen sich neue komplexe Technologien und Operationstechniken viel einfacher einführen. Eine Ein-Mann-Show ist nichts für mich. Wer darüber hinaus hart arbeitet, sich den eigenen Grenzen stellt und lernt, darüber hinauszuwachsen, kann sich selbst verwirklichen und immer wieder neue Ziele erreichen. Es ist wichtig, hartnäckig zu bleiben!

 

Referenzen:

1 Bundesärztekammer (2019): Ärztestatistik 2019 – Berufstätige Ärzte: https://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-2019/berufstaetige-aerzte (abgerufen am 04.08.2020)