Die italienische Lombardei hatte unter der aktuellen Pandemie schwer zu kämpfen, was ein großes Umdenken in der medizinischen Versorgung nach sich zog. Intensivbetten sollten in erster Linie für Covid-19-Patienten zur Verfügung gestellt und alle chirurgischen Aktivitäten reduziert werden. Doch was geschah mit Patienten, die eine Notfallversorgung aufgrund einer anderen Erkrankung, zum Beispiel aufgrund eines Hirntumors, benötigten? Die Lombardei hat einen eigenen Weg bestritten, um die Behandlung von Hirntumorpatienten aufrechtzuerhalten. Hiervon berichtet unter anderem Dr. Alessandro Perin, Direktor am NeuroSim Center des neurologischen IRCCS Institut Carlo Besta.

Italien und insbesondere die Lombardei wurden von COVID-19 schwer getroffen. Die Sterblichkeitsrate des Landes liegt mittlerweile bei ca. 14%.1 Zu Beginn der Epidemie zeigte sich schnell, dass die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in der Region bei Weitem nicht ausreichen würde. Sämtliche Strategien zielten daher darauf ab, die Kapazität der Intensivpflege zu erhöhen und alle chirurgischen Aktivitäten, inkl. der Einbestellung von Notfällen, zu reduzieren. Fachdisziplinen, wie die neurochirurgische Onkologie, stellte dies jedoch vor enorme Herausforderungen. Patienten hätten mitunter gar nicht oder nur unter risikoreicheren Bedingungen behandelt werden können.

Die Regierung ließ daher die Anzahl neurochirurgischer Patienten, die innerhalb von zwei Monaten eine Notfallbehandlung benötigen würden, schätzen. Um diese Patienten in einem Covid-19-freien Umfeld behandeln zu können, fiel die Entscheidung zur Einrichtung vierer neuroonkologischer Zentren. Eines dieser Zentren, das Krankenhaus Fondazione IRCCS Istituto Neurologico Carlo Besta, widmete sich fortan der Behandlung aller akut behandlungsbedürftigen Tumorfälle der Region.2 Das Zentrum stellte Neurochirurgen aus der Lombardei die gesamte neuroonkologische Infrastruktur zur Verfügung, darunter auch Produkte für die Ultraschall-Neurochirurgie wie den Ultraschall-Generator SONOCA 300 sowie das LEVICS Micro-Instrument. So konnte Söring mit seinen Produkten auch in diesen schweren Zeiten dazu beitragen, Leben zu retten.

Über die Einrichtung des Zentrums sowie die Versorgung von Neuroonkologie-Patienten berichten Dr. Alessandro Perin et al. im Namen der ‘Hub and Spoke’ Lombardy Neurosurgery Group in ihrem Fachbeitrag „May we deliver neuro‑oncology in difficult times (e.g. COVID‑19)?”.

Zudem hat die europäische Vereinigung neurochirurgischer Fachgesellschaften (EANS) auf ihrer Webseite ein Diskussionsforum für Neurochirurgen eingerichtet, auf dem alle Erfahrungen rund um Covid-19 gesammelt und später aufbereitet werden.

 

Referenzen:
1 https://bing.com/covid/local/italy, aufgerufen am 09. Juli 2020